Schon seit Jahrhunderten gilt der Hund als bester Freund des Menschen. Zoologen haben ihm naturgemäß stets besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Charles Darwin, der auf den Weltmeeren unterwegs war, um auf verschiedenen Kontinenten unbekannte Arten zu entdecken und der auf Basis seiner Beobachtungen schließlich seine vielbeachtete Theorie von der Entstehung der Arten durch Anpassung und natürliche Selektion veröffentlichte, beschrieb in seiner vergleichenden Betrachtung „Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren“ (ins Deutsche übersetzt von Victor Carus) das Verhalten und die Körpersprache des Hundes. Er war ein sehr genauer Beobachter. Präzise schilderte er das Begrüßungszeremoniell zwischen dem Hund und seinem Herrn. Die gewundenen Bewegungen des Körpers, das Wedeln, die Ohrenstellung sowie die Form der Augen und die Gesichtsmimik. Er verglich alle Merkmale der Zeichen von Zuneigung mit denen im aggressiven Zustand.

 

Darwin erkannte, dass das Reiben am Bein des Herrn und das Lecken der Hände und des Gesichtes, wie auch das spielerische Beißen, Analogien zu den unter Hunden gebräuchlichen Verhaltensformen aufweisen. Darwin selbst hielt Pinscher. Und die Präzision seiner Beobachtungen rechtfertigt es, ihn als einen der ersten Verhaltensforscher zu bezeichnen, wenngleich diese Disziplin zu seiner Zeit noch nicht offiziell in den Naturwissenschaften verankert war. Darwin machte sich auch schon Gedanken darüber, welche der von ihm beobachteten Verhaltensweisen erblich und welche erlernt seien. Auch war ihm bereits klar, dass viele Formen des Spiels und Zeichen der Zuneigung ihren Ursprung in der Interaktion zwischen Hundemutter und Welpen haben. So beschreibt er, wie eine Hundemutter, die ihre Jungen verloren hatte, ihre mütterlichen Instinkte dadurch auslebte, dass sie nun verstärkt seine Hände leckte.

 

Auch Zeichen von Unterwürfigkeit und Rangfolge wusste Charles Darwin bereits richtig zu deuten. Er schildert, wie sich Hunde vor ihrem Herrn, ähnlich wie vor ranghöheren Artgenossen, zu Boden werfen. Ebenso beschreibt er die Angewohnheit einiger Hunde, die Lefzen wie zu einem Grinsen in die Höhe zu ziehen. Zu den von Darwin erwähnten und beobachteten Hunden gehören Schäferhunde, Windhunde, Pinscher und Spitz. Alles Rassen, die bis heute eine große Liebhaberschaft haben.

 

Wenngleich sich Darwin in seinem Hauptwerk intensiv mit der Entstehung der Arten und deren Anpassung durch natürliche Auslese befasst hat, kommt diese Thematik bei seinen Ausführungen über Hunde nicht explizit zur Sprache. Man darf aber annehmen, dass er in seinem Umfeld bereits hat registrieren können, dass Rassemerkmale von Hunden durch gezielte Zuchtauswahl über Generationen beeinflussbar sind. Schon das dürfte bei diesem genauen Beobachter Zweifel an der These vom einmaligen und unveränderlichen Schöpfungsakt der existierenden Spezies hervorgerufen haben.