Fly or Die

22. Feb 2011

Wie Tierschützer mallorquinischen Hunden das Leben retten

Manacor, Mallorca – Pepe hat schlechte Karten. Vor zwei Stunden hat man ihn auf der Straße eingefangen. Jetzt betrachtet er in der Verwahrstelle für herrenlose Hunde die Welt durch „schwedische Gardinen“. Er ist genau das, was Spötter einen reinrassigen Bernhardudel nennen, eine Mischung, mit derart bewegtem Stammbaum, dass sich einzelne Rassemerkmale nicht mehr klar erkennen lassen. Etwa so groß wie ein Terrier; das weiche Fell ist weiß, braun und schwarz gemustert. Seine dunklen Knopfaugen schauen so liebevoll, dass er die Idealbesetzung für jede Hundefutterwerbung wäre. Doch wenn nicht bald ein Wunder geschieht, bleiben Pepe nur noch etwa zwanzig Tage… Niemand wird ihn vermissen. Wer also soll ihn suchen und hier herausholen, ihn, der nie ein richtiges Zuhause hatte?

Jede größere Gemeinde auf Mallorca hat so einen Zwinger. Und herrenlose Hunde müssen, so verlangt es das Gesetz, nach drei Wochen getötet werden… Wäre da nicht Ursula Mesquida. Schon vor Jahrzehnten gründete die gebürtige Deutsche die Hilfsorganisation Ajucan e.V. und baute mit ihrem Mann am Ortsrand von Sant Llorenc ein privates Tierasyl. In zähen Verhandlungen bemüht sie sich um die Todeskandidaten. Oft mit Erfolg, so auch bei Pepe. Bei Ajucan werden die Tiere aufgepäppelt und geimpft. Ein aufwendiges Engagement, das nur durch Spenden und tatkräftige Helfer aufrecht erhalten werden kann, die so manchen Urlaub opfern, um in Sant Llorenc mit anzupacken.

Mit bis zu hundert Gästen platzt Ajucan, ursprünglich einmal für vierzig Hunde konzipiert, aus allen Nähten. Auswandern als einzige Chance. Pepe hat wieder Glück; er erwischt ein „Ticket“. Die Airlines wissen um die Problematik und sind bereit zu helfen. Condor spricht das Thema Tierschutz sogar auf seinen Internetseiten an. In Deutschland angekommen, gelangen Pepe und fünf weitere Kumpel zunächst in eine Tierpension in der Nähe von Lüneburg. Jetzt noch ein neues Zuhause finden, dann haben sie es geschafft…

Stolpe, Schleswig-Holstein – ein Hundert-Seelen-Dorf. Hier bin ich mit Anna Gomberg verabredet. Schon auf dem Hof begrüßen mich zwei lebhafte Hunde. „Sind die echt?“ frage ich verdutzt? Frau Gomberg lacht, versteht meine Frage aber richtig: „Nein, die sind nicht aus Spanien; die beiden begleiten mich schon viele Jahre.“
Seit ihrer Pensionierung hat Anna Gomberg den Tierschutz zu ihrem Hauptberuf gemacht. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben: Mallorcas „Auswanderer“ an den Mann und an die Frau zu bringen. Dafür kämpft sie unermüdlich und der Erfolg kann sich sehen lassen: In den letzten Jahren hat sie schon viele vermitteln können. Pepes Aussichten stehen also nicht schlecht. Haben wir nicht selbst genug herrenlose Hunde in unseren Tierheimen? „Schon“, sagt Frau Gomberg „aber die sind nicht unmittelbar vom Tode bedroht.“

Nun möchte ich aber mal einen „echten Mallorquiner“ erleben. Ein kurzes Telefonat und zehn Minuten später steht Paula vor der Tür, eine 1 ½ jährige Mischlingshündin. Zutraulich, glänzendes Fell, Idealfigur; ich mag nicht recht glauben, dass dieser Hund noch vor kurzem zwischen Ferienappartements und Strand um jeden Bissen kämpfen musste. Doch den Beweis für ihre „Echtheit“ liefert Paula umgehend. Plötzlich tauchen nämlich zwei Katzen auf, die sie geradezu aktiv ignoriert. Selbst als diese sich bis auf einen halben Meter genähert haben, sieht sie förmlich durch sie hindurch. Das bringt nur eine mallorquinische Hündin, für die der Anblick frei herumstreunender Katzen täglich Brot ist. Kerstin Vollsen, frisch gebackenes Frauchen, ist begeistert: „Da die Hunde im Rudel gelebt haben, verfügen sie über ein gutes Sozialverhalten, werden sehr anhänglich, gewöhnen sich schnell ein und gehorchen schon nach kurzer Zeit auf’s Wort.“

Übrigens: Wenn Tiere aus Mittelmeerländern erkranken, so sollten die Besitzer den Tierarzt stets über die Herkunft informieren. Manche Krankheitserreger, die in Nordeuropa nicht verbreitet sind, werden sonst möglicherweise nicht rechtzeitig in Betracht gezogen und diagnostiziert. Das gleiche gilt für Tiere, die gelegentlich auf Reisen dort waren.

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