Es gibt zahlreiche Berichte über Leistungen und Wahrnehmungen von Hunden, die den Schluss nahelegen, Hunde könnten möglicherweise über zusätzliche Sinne verfügen. Lange vor schweren Unwettern, Erdbeben, Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen sind Hunde unruhig geworden und haben versucht, sich und ihr Rudel in Sicherheit zu bringen. Hunde haben, weit von daheim ausgesetzt, den Weg durch fremdes Terrain ohne Hilfe allein zurück nach Haus gefunden. Und viele Hunde haben Personen aus drohenden Gefahren gerettet, indem sie Gefahren rechtzeitig erkannten, die der menschlichen Wahrnehmung verborgen geblieben waren.

Oft hat man vermutet, Hunde mögen übernatürliche Fähigkeiten haben. Im Altertum glaubte man sogar daran, dass das Heulen eines Hundes einen Todesfall ankündige. Man war überzeugt, Hunde verfügten über eine Vorahnung, die sie den Tod spüren lasse. Forscher vermuten, dass das darauf zurückzuführen sein mag, dass tollwütige Hunde ein unheimliches Geheul ausstoßen. Hatten diese Menschen mit ihrer Krankheit infiziert, so kam es in der Tat bald darauf zu Todesfällen. Da man über die Übertragung der Krankheit noch nicht Bescheid wußte, betrachteten die Menschen das Geheul als böses spirituelles Omen.

Tatsächlich haben Hunde zwar keine übernatürlichen Fähigkeiten, manche haben jedoch auf einigen Gebieten eine besonders hohe Sensibilität. Läuft man mit einem Hund durch einen Yachthafen und betritt einen Schwimmsteg, so kann es sein, dass der Hund sich nicht auf den Steg traut, obwohl das Wasser völlig ruhig ist und für den Menschen keine Bewegung des Steges erkennbar ist. Der Hund jedoch spürt sofort, dass der feste Boden hier endet, er nimmt auch minimale Schwimmbewegungen des Steges wahr. Ein anderes Beispiel kennt man von Silvester. Das Knallen wird von allen Hunden als außergewöhnlich wahrgenommen, doch ganz verschieden verarbeitet. Manche ignorieren es als lästigen Lärm, andere sind äußerst beunruhigt und werten es als ernste Gefahr.

Besonders ausgeprägt ist bei manchen Hunden die Wahrnehmung des Erdmagnetfeldes. Experimente mit künstlich erzeugten Magnetfeldern haben bewiesen, dass diese Fähigkeit tatsächlich existiert. Dadurch erklärt sich, dass manche Hunde über lange, unbekannte Distanzen zurück nach Hause finden. (Doch es gibt auch Exemplare, die einen geringen Orientierungssinn haben und die sich schon im Heimatort verlaufen.) Vor Erdbeben und Naturkatastrophen kommt es zu Abweichungen im Erdmagnetismus. So erklärt sich die Unruhe vieler Tiere vor drohenden Ereignissen. Man vermutet, dass auch Luftdruckveränderungen und elektrostatische Aufladungen registriert werden. In der Natur eine wichtige Hilfe, um das Rudel rechtzeitig im geschützten Bau in Sicherheit zu bringen.

Manche Forscher vermuten, dass die Hundenase neben ihrem hervorragenden Geruchssinn auch über eine Art Infrarotrezeptoren verfügt, die es ermöglichen, Wärmequellen wahrzunehmen. Das erleichtert das Finden von Beutetieren und würde auch erklären, warum beispielsweise Suchhunde in der Lage sind, zu beurteilen, ob Lawinenopfer noch am Leben sind. Plötzliches Verharren, wittern und möglicherweise bellen oder knurren ohne einen für den Menschen ersichtlichen Grund, hat früher dazu geführt, das Menschen überzeugt waren, Hunde könnten Geister sehen. Auslöser sind meist Duftsignale, die der Mensch nicht riecht, die den Hund jedoch in höchste Aufmerksamkeit versetzen.