Wenn Hunde die passende Immobilie aussuchen könnten, dann würden sie wohl hier einziehen: Am Rand von Scharbeutz gelegen, wenige Schritte zum Wald und an den Strand ist’s auch nicht weit. Auch Haus und Garten sind ganz auf die Bedürfnisse von Vierbeinern ausgerichtet. Sogar einen Spielplatz mit echtem Ostseesand gibt es auf dem Grundstück. Das tollste aus Hundesicht: Hier trifft man immer nette Kumpels ohne, dass es zu voll wird. Denn bei Christiane Bratz sind stets vier bis fünf, höchstens einmal sechs Hunde zu Gast. Seit vier Jahren gibt es die kleine Hunde-Pension von Frau Bratz nun schon. Und man merkt ihr an, dass es ihr jeden Tag Spaß bringt. „Hundesitting – Examinierte Tierpflegerin“ steht auf der leuchtend gelben Weste, die Frau Bratz schon von weitem deutlich als Boss des Rudels ausweist. Wie kommt man auf die Idee, seine Tierliebe zum Beruf zu machen? Los ging es mit einer dreijährigen Lehre in einem Hundezucht-Betrieb. Drei Rassen wurden dort gezüchtet und mit Zuchtprogrammen, Hundegeburten, Welpenaufzucht, Impfungen und Entwurmungen kennt sie sich seither natürlich bestens aus. Tierpfleger wurde in den Achtzigern ein anerkannter Lehrberuf, mittlerweile hat sich das Berufsbild sogar noch in drei Fachrichtungen aufgespalten: Heute gibt es Heimtierpfleger, Zootierpfleger und Versuchstierpfleger. Auf die Lehrzeit folgte eine achtjährige Berufspraxis im Tierheim. Aus der ursprünglichen Einzelzwingerhaltung wurde damals auf Gruppenhaltung umgestellt. In dieser Zeit konnte Frau Bratz wertvolle Erfahrungen sammeln, die ihr heute helfen. Kaum jemand hat so ein feines Gespür dafür, wer sich mit wem vertragen wird. Ergänzend kam noch eine zweijährige Anstellung in einer Blindenführhundeschule hinzu. Die nächste Station des Berufsweges war exotisch. Aus dem Wunsch, sich für wild lebende Tiere einzusetzen, wurde ein Job auf einer Gepardenfarm in Afrika. Nach der Rückkehr folgte dann die Selbständigkeit in Scharbeutz. Viele Hunde kommen regelmäßig, einfach weil’s Spaß macht, so wie Kalle. Er kommt einmal pro Woche und hat sich so den Spitznamen „Der Freitagshund“ verdient. Das Motto „Spiel, Spaß und Meer“ kann man getrost wörtlich nehmen. Das merkt man spätestens, wenn man seinen Hund wieder abgeholt hat. Der haut sich nämlich zunächst mal ins Körbchen und pennt, weil er ganz schön viel erlebt hat.