St. Bernhard war seit jeher ein bedeutender Gebirgspass. Zu Zeiten, als es noch keine gut ausgebauten Bahnverbindungen und Straßentunnel gab, mussten sich Reisende hier bei Wind und Wetter mühsam über die Berge quälen. In dieser Höhe kann man leicht von plötzlichen Wetterumschwüngen überrascht werden und vielen Reisenden ist das früher zum Verhängnis geworden. Dazu kam die Unberechenbarkeit der Schneeverhältnisse, verbunden mit der Gefahr, in gefährliche Lawinen zu geraten.

Häufig mussten Vermisste gesucht und geborgen werden. Allzu oft kam die Hilfe zu spät, Verschüttete konnten nicht aufgespürt werden oder sie waren bis zum Eintreffen der Helfer bereits der Kälte erlegen.

Mönche des Hospizes am St.-Bernhard Pass stellten fest, dass ihre Hunde Vermisste, Verschüttete und Verletzte oft schneller aufspüren und besser erreichen konnten, als jeder Mensch. Ursprünglich war es lediglich deren Aufgabe, den verschneiten Weg zum Hospiz zu finden. So kamen sie auf die Idee, ihre Hunde gezielt für diese Aufgaben auszubilden und sie mit einer ersten Notration zur Kräftigung der Geretteten auszurüsten. Man hat dem Bernhardiner im Rettungseinsatz ein kleines Branntweinfässchen mitgegeben, in der Hoffnung, ein kräftiger Schluck möge den Kreislauf der Unterkühlten wieder in Schwung bringen. Dieses Bild des Rettungshundes mit dem kleinen Branntweinfass ging um die Welt und hat Cartoonzeichner zu zahlreichen Bildern inspiriert, auf denen der Hund sich offenbar auf der Tour selbst bedient hat und leicht torkelnd, ziemlich zugedröhnt beim Vermissten ankommt, ohne dass für diesen noch ein Schluck übrig geblieben wäre.

Manche dieser zum Rettungseinsatz ausgebildeten Bernhardiner haben eine eindrucksvolle Bilanz vorzuweisen. So zum Beispiel Barry. Er wurde 1800 geboren und wurde 14 Jahre alt. In dieser Zeit soll er über 40 Personen das Leben gerettet haben. Er genießt in der Schweiz Heldenruhm und steht präpariert in einer Vitrine am Eingang des Naturhistorischen Museums in Bern. Ihm ist außerdem eine Sonderausstellung gewidmet. Und sogar ein Buch wurde zu seinem 200. Geburtstag geschrieben.

In der Öffentlichkeit wurde der Bernhardiner besonders durch den Familienfilm „Ein Hund namens Beethoven“ wieder populär. Auf der Flucht vor Tierfängern rettet sich der Welpe ins Haus der Familie Newton und gewinnt deren Herz und somit eine neue Heimat. Nach seiner Vorliebe für die 5. Sinfonie erhält er den Namen Beethoven und wächst mit der Zeit zu einem stattlichen Kerl von 90 Kilogramm heran. Der Film erfreute sich so großer Beliebtheit, dass in den Folgejahren fünf Fortsetzungen gedreht wurden.

Mit dem Musée et Chiens du Saint-Bernard ist für die Bernhardinerzucht und -ausbildung nun ein Zentrum geschaffen worden, das jeder besuchen kann, der sich für diese einzigartige Hunderasse interessiert. Das Museum befindet sich in Martigny in der Schweiz. Die Trägerschaft hat die Stiftung „Fondation Bernard et Caroline de Watteville“ übernommen. Das Museum befindet sich im ehemaligen Zeughaus neben dem römischen Amphietheater und zeigt viele historische Gegenstände, die die Geschichte des Hospizes und des St.-Bernhard Passes illustrieren. Wesentlichste Attraktion sind natürlich die Bernhardiner, die nach wie vor liebevoll gezüchtet und ausgebildet werden. Im Erdgeschoss und dem Außengehege können Besucher den Hundezwinger und den Pflegebereich der Hunde besichtigen. Außerdem gibt es einen Shop und ein Restaurant. Im ersten Stock kann man einen Rundgang durch die Geschichte des Gebirgspasses und seines Hospizes unternehmen. Neben vielen Exponaten gibt es auch einen Film, der extra für das Museum gedreht wurde. Im zweiten Stock werden temporäre Zusatzausstellungen angeboten. Audioführer gibt es in deutscher, französischer und englischer Sprache.