„Richtig streicheln“, das klingt im ersten Moment etwas skurril. Gibt es denn auch ein falsches Streicheln? An eine solche Unterscheidung ist hier nicht gedacht. Vielmehr geht es darum, sich bewußt zu machen, wie Hunde bestimmte Formen des Körperkontaktes instinktiv wahrnehmen, was sie besonders mögen und was sie missverstehen könnten.

Vor allem Hunde mit weichem, seidigen Fell verführen zum Streicheln. Aus Hundesicht ein angenehmes Gefühl; es erinnert daran, wie die Mutter das Fell ihrer Neugeborenen liebevoll geleckt hat, um sie zu säubern und ihren Kreislauf anzuregen. Im übrigen wird das Streicheln wie eine leichte, wohltuende Massage empfunden.

Auch das Aneinanderkuscheln ist den Hunden aus ihrer Jugend vertraut. Die Welpen drängten sich in der Wurfkiste dicht zusammen, um sich aneinander und an der Mutter zu wärmen. Gerade mit Kindern empfinden viele Hunde diese Form des Kontaktes als angenehm, vermutlich empfinden sie es als ganz natürlich, dass auch „Menschenwelpen“ ein besonderes Kuschelbedürfnis haben.

Ein leichter freundschaftlicher Klaps oder Puff auf den Rücken oder von der Seite ist für den Hund zunächst schwer einzuordnen. Hunde klopfen einander nicht auf die Schulter, sie stupsen sich allenfalls mit der Schnauze an. Im Umgang untereinander ist ein Anstupsen mit der Nase eine Beschwichtigungs- oder Unterwerfungsgeste. Unterlegene Tiere wenden den Stupser gegenüber Ranghöheren an. Stupst hingegen ein Ranghöherer, so möchte er dem Schwächeren die Scheu nehmen. Insofern ist der Stupser des normalerweise ranghöheren Menschen eine sehr willkommene Geste.

Ein Wegdrücken oder Wegschieben wird meist falsch, nämlich nicht als Abwehr, sondern als Teil eines Spiels verstanden. Ein Hund der zurückgeschubst wird, macht sofort einen neuen Anlauf. Das gegenseitige Zurückschubsen entspricht dem Spielverhalten junger Hunde.

Das Kraulen am Ohrenansatz ist sehr beliebt. Werben Hunde umeinander, so gehört das Lecken und Beknabbern dieses Bereiches ebenfalls dazu.

Rüden empfinden das Kraulen der Brust als besonders angenehm. Vermutlich deshalb, weil das ein Bereich ist, der auch beim Sex ganz besonders stimuliert wird. Hündinnen mögen es entsprechend, wenn man sie im Beckenbereich krault.

Am Bauchfell werden Hunde ebenfalls gern gekrault. Viele drehen sich auf den Rücken, um dazu aufzufordern. Das zeigt hundertprozentiges Vertrauen, denn auf dem Rücken liegend ist man wehrlos und nicht fluchtbereit.

Etliche Hunde wissen auch eine Rückenmassage, ähnlich wie sie auch Menschen verabreicht wird, sehr zu schätzen. Der Masseur setzt sich dazu am besten auf den Boden, den Rücken an eine Wand gelehnt und die Beine gegrätscht. Der Hund nimmt sitzend zwischen den gegrätschten Beinen Platz, seinen Rücken dem Menschen zugewandt. Nun wird, beginnend an der Schwanzwurzel, mit beiden Daumen in kreisenden Bewegungen rechts und links neben der Wirbelsäule aufwärts bis zum Hals massiert.

Knabbern und Lecken sind für den Hund ebenfalls wichtige Bestandteile der Körpersprache untereinander und werden als Zeichen der Bindung und Zusammengehörigkeit verstanden. Wenngleich der Mensch das nicht artgerecht erwidert, knabbern Hunde gerne zart an seinen Händen. Schon im Welpenalter lernen sie, wie weit sie bei diesem Spielbeißen gehen können, ohne dass es weh tut. Bis zu einem gewissen Grad dient das Knabbern und Lecken untereinander auch der Fellpflege. Umfangreiches Waschen und Kämmen sowie kosmetische Prozeduren, wie sie oft auf Hundeausstellungen zu sehen sind, um die Teilnehmer auf „Hochglanz“ zu bringen, werden jedoch auf keinen Fall als Äquivalent für das gegenseitige Beknabbern empfunden. Sie sind einfach nur lästig.