Ursprünglich hatte er mit einer ganz bodenständigen Berufsausbildung begonnen. Benedikt Schmitz ist gelernter Restaurant-Fachmann und als solcher hat er schon bald größere Gastronomiebetriebe erfolgreich geführt. Und doch hat das Leben sich irgendwann so gefügt, dass sein Kumpel Joshua, den er eigentlich eher zufällig aufgenommen hatte, einfach, um ihm ein Zuhause zu geben, ihm einen ganz neuen Berufsweg eröffnet hat. Joshua ist einzigartig: Eine Mischung irgendwo zwischen Husky und Hirtenhund, struppig und rustikal. Und wenn er einen aus strahlend blauen Augen anblickt, ahnt man, dass dieser Hund eine echte Herausforderung sein kann. Er wahres Temperamentsbündel, fast schon hyperaktiv und wahrlich nicht leicht zu führen. Aber Benedikt – unter Freunden und Hunden heißt er kurz Benne – hat diese Herausforderung, an der wohl die meisten scheitern würden, souverän gemeistert. Dass er damit eine reife Leistung abgeliefert hat, ist auch anderen aufgefallen. Und eines Tages fragte eine befreundete Tierärztin, ob er gelegentlich mal einen weiteren Hund mit ausführen könne, da die Besitzer nicht genug Zeit für ihn hätten. Es dauerte nicht lange, da war Benne mit bis zu acht Hunden täglich unterwegs. Auf langen Fußmärschen holte er morgens einen nach dem anderen ab, bis das Rudel komplett war und brachte sie nachmittags der Reihe nach wieder zurück. Klar, dass die bunte Truppe bald überall bekannt war. Doch noch bemerkenswerter als der Anblick, war die Tatsache, dass hier keiner aus der Reihe tanzte. Im diesem Rudel gehorchten selbst diejenigen vorbildlich, die daheim als schwierig gegolten hatten. Benne wurde irgendwie Kult; das Wort vom Hundeflüsterer machte die Runde. Die Nachfrage explodierte regelrecht. Offenbar hatten immer mehr Menschen nicht genug Zeit, um sich ihrem Hund adäquat zu widmen. Und Benne fasste Mut: Er meldete ein Gewerbe an, ein bestens ausgerüsteter VW-Bus wurde angeschafft und der Hundekindergarten wurde zum Unternehmen. Benne legte eine amtliche Prüfung ab und darf nun Hunde in entsprechender Anzahl ohne Leine führen. Konsequent beschränkt sich das Einzugsgebiet auf einen Hamburger Stadtteil, damit die Abholung und Rückgabe der Hunde nicht zu lange dauert. Die Zeit soll schließlich vorwiegend zum Auslauf genutzt werden. Und wenn alle beisammen sind, geht es in die schönsten Gegenden im Hamburger Umland. Ein erheblicher Unterschied zu manchen Kollegen, die in relativ kleinen Freigehegen arbeiten. Tolle Laufstrecken in freier Natur mit reichlich Spielgelegenheiten und Wasserstellen zum Abkühlen. Benne kennt die schönsten Flecken. Seine Kunden wissen das zu schätzen. Die Zusammensetzung in der Gruppe variiert täglich. Fast alle sind Stammkunden. Viele kommen aber nur zwei- oder dreimal in der Woche mit. Mittlerweile sind zwölf und mehr Hunde am Tag durchaus kein Problem. Für den Laien vermeintlich unüberschaubar, aber Benne hat das locker im Griff. Wie macht der Mann das? Hier kommt nun wieder Joshua ins Spiel: Der hat nämlich schnell begriffen, worum es bei der Sache geht und hat sich ganz natürlich in die Rolle eines „Leitwolfes“ eingearbeitet. Er behandelt die Kundschaft als Gäste und lässt doch nicht eine Sekunde Zweifel an seiner Rolle als dominanter Alpha-Rüde aufkommen. Hart, aber gerecht, so könnte man ihn beschreiben. Ein Hütehund für Hunde. Der Effekt: Ruft man nach ihm, dann bekommt man sie alle. Doch ein Profi wie Benne baut nicht allein darauf. Er hat längst erkannt, welches Potenzial in der Hundebetreuung steckt und sein Team bereits um einen Praktikanten ergänzt:   Florian hat mal Groß- und Einzelhandelskaufmann gelernt. Später wurde er Erzieher, um etwas Sozialeres tun zu können. Jetzt ist er sicher, bei Benne seine wirkliche Berufung gefunden zu haben. Mit Hunden zu arbeiten, das ist sein Ding und deshalb lernt er täglich in der Praxis. Und das ist mehr, als man auf den ersten Blick denkt. Denn Gassi gehen ist nur ein Teil der Serviceangebotes. Auch der Besuch beim Tierarzt oder die Ausbildung im Einzelunterricht gehören dazu. Wobei in der Regel nicht so sehr der Hund, sondern vielmehr Frauchen oder Herrchen eine Menge lernen müssen. Und bei deren Krankheit oder Urlaub kann auch schon mal ein längerer Aufenthalt bei Benne organisiert werden.