Hunde sind Rudeltiere. Deshalb bemühen sie sich, immer zusammen zu bleiben, auch im Menschenrudel. Der Mensch hat sich diese Eigenschaft nutzbar gemacht, indem Hirten- und Hütehunde beim Zusammenhalten ganzer Herden eingesetzt werden.

Auch die meisten Haushunde verfügen noch über diesen Rudelinstinkt. Das kann man mit einem einfachen Versuch leicht feststellen: Gehen zwei Personen aus seinem unmittelbaren Umfeld mit ihm spazieren, so läuft er mit und hält sich in ihrer Nähe auf. Geht nun eine der beiden Personen etwas langsamer, so dass sie etwa fünfzig Meter zurückfällt, beginnt der Hund zwischen beiden hin und her zu laufen. Er kann sich nicht entschließen, mit welchem der beiden er den Weg fortsetzen soll und versucht quasi sein Rudel wieder zusammenzutreiben.

Die Natur hat es so eingerichtet, dass alle instinktiv zusammen bleiben. Im Wolfsrudel sicher eine überlebenswichtige Eigenschaft. Um so unnatürlicher muss es einem Hund vorkommen, dass man gelegentlich auch ohne ihn das Haus verläßt. Daran muss er sich erst gewöhnen und das fällt vielen nicht leicht.

Klar, dass es für einen Hund einfacher ist, alleine zu sein, wenn er vorher seine Geschäfte erledigt hat und genug zu Fressen bekommen hat. Ebenso ist es eine Hilfe, wenn er bereits viel gelaufen ist oder getobt hat, da er dann sowieso müde ist und ein Nickerchen machen möchte.

Hundetrainer empfehlen, das Weggehen ohne übermäßigen Abschied als etwas ganz Selbstverständliches durchzuführen. Anfangs nur für kurze Momente, die mit der Zeit länger werden können. So gewöhnt sich der Hund daran, dass die zeitweilige Abwesenheit seines Partners ganz normal ist. Wichtig ist, dass mit der Zeit das Vertrauen entsteht, dass der Mensch auf jeden Fall zurückkommt. Hat sich der Hund daran erst einmal gewöhnt, so verläßt er sich bald darauf. Auch für das Zurückkommen wird von manchen eine zurückhaltende oder sogar keine Begrüßung empfohlen. Es solle wie selbstverständlich geschehen ohne zelebriert zu werden. Andere hingegen empfehlen eine Belohnung bei der Rückkehr, damit die Wartezeit mit einer positiven Erwartung verknüpft wird.

Massive Schwierigkeiten können dann auftreten, wenn Hunde aus dem Heim kommen oder schon durch zu viele Hände gegangen sind. Sie haben sich auf immer neue Bezugspersonen prägen müssen und sind immer wieder durch Verlust enttäuscht worden. Klar, dass irgendwann die Skepsis Oberhand gewinnt und mit jedem neuen Zuhause größere Verlassensängste entstanden sind.

Ein Spielzeug oder ein Kauknochen können das Alleinsein erleichtern. Allerdings sollte das keine Gegenstände sein, die immer nur bei Abwesenheit gegeben werden, sonst werden sie mit dem Alleinsein assoziiert. Junge Hunde haben es leichter, wenn man ihnen ein getragenes Kleidungsstück mit dem Geruch ihres Menschen ins Körbchen legt. Der vertraute Duft beruhigt. So lernt der Hund auch, dass er ruhig auf seinem Platz liegen sollte, anstatt im Haus herumzuirren.

Schon im Welpenalter kann man mit der Gewöhnung ans Alleinsein beginnen, indem man den Kleinen für eine Weile in einem Raum zurücklässt und die Tür schließt. So lernt schon der Nachwuchs, dass das nichts Schlimmes ist und dass man zurückkommt. Sollte ein Hund winseln, jaulen, bellen oder gar randalieren, wird empfohlen, nicht darauf zu reagieren. Andernfalls könnte er vermuten, er müsse nur genügend „Energie“ einsetzen, dann werde er seinen Menschen schon zurückholen. Dann besteht die Gefahr, dass er mit der Zeit lauter heult und bellt oder Dinge zerstört, weil er sich merkt, dass je mehr Mühe er sich gibt, sein Mensch um so schneller wieder da ist. So schwer es auch fällt: Man sollte erst zurückkehren, wenn der Hund vollständig und dauerhaft zur Ruhe gekommen ist. Sonst verbucht der Hund seine Unruhe als Erfolg und wird sie in Zukunft sogar noch steigern.

Im Auto gilt analog das Verhalten wie daheim. Auch hier sollte der Hund ruhig auf seinem Platz bleiben, solange man ihn zurückläßt. Wichtig ist, dass der Hund beim Alleinsein keine negativen Erfahrungen macht, die spätere Ängste auslösen könnten. Deshalb auf einen schattigen Parkplatz und auf ausreichende Frischluftzufuhr achten.

Auch Problemhunde mit extremen Verlassensängsten, beispielsweise mit bereits schlechten Erfahrungen aus dem Tierheim, können das Alleinsein lernen. Jedoch braucht man erheblich mehr Geduld. Gegebenenfalls kann man im Einzelfall auch die Hilfe eines Tiertrainers oder Hundepsychologen in Anspruch nehmen.