Gelegentlich klammern sich Rüden beherzt an einen menschlichen Unterschenkel und beginnen mit rhythmischen Stößen. Verhaltensforscher gehen davon aus, dass hier eine Form von Übersozialisierung stattgefunden hat. Welpen wachsen in einem Umfeld aus Hunden und Menschen auf, die sie gleichermaßen als Sozialpartner akzeptieren und als Rudelmitglieder ansehen.

Menschen werden nicht läufig und verbreiten daher auch keinen anregenden Geruch. Normalerweise sollten Rüden sie also als sexuell neutral wahrnehmen und diesbezüglich ignorieren. Allerdings bietet sich die echte Gelegenheit in Form einer läufigen Hündin allzu selten, so dass frustrierte Rüden schließlich auf Ersatzobjekte ausweichen. Das können Artgenossen sein, aber auch Katzen, Sofakissen oder eben Menschenbeine.

Hat ein junger Hund sich auf den Menschen wie auf seine Geschwister und Spielkameraden gleichermaßen geprägt, so empfindet er sie ein Leben lang als nahe stehend. Man lebt gemeinsam in einem Bau, teilt die Nahrung, bewacht miteinander das Territorium, man spielt und tobt zusammen. Eine Paarung unter so Vertrauten ist daher für ihn nicht grundsätzlich abwegig.

Ein Unterschenkel eignet sich eben hervorragend, um sich daran festzuklammern. Wählt ein Hund das Bein eines Fremden, so kann das ganz einfach daran liegen, dass hier ein relativ reizvoller Duft, möglicherweise noch von einem anderen Hund, anhaftet. Für den Halter kann die Situation naturgemäß recht peinlich sein. Man sollte jedoch nicht überreagieren, entschlossenes Zurückweisen reicht in der Regel völlig aus.

Auf jeden Fall wird sich ein Rüde nur mit einem Wesen zu paaren versuchen, das ihm von frühester Jugend an vertraut ist. So wie der Mensch, die Artgenossen und andere Tiere, mit denen er bereits als Welpe in Berührung gekommen ist.

Umgekehrt hat man festgestellt, dass ein Welpe der zu früh vom Wurf entfernt worden ist, später Probleme mit anderen Hunden hat und sie auch nicht als normale Sexualpartner wahrnehmen kann. Als entscheidende Phase gilt das Alter zwischen vier Wochen bis zu drei Monaten. In dieser Zeit, der Sozialisierungsphase, ist ein intensiver Kontakt sowohl mit anderen Hunden, als auch mit Menschen unverzichtbar. Ebenso werden Hunde, die zu spät in Kontakt mit Menschen kommen, ihre Scheu ihnen gegenüber nie ganz verlieren.