Hin und wieder einen Knochen, das mag fast jeder Hund. Darauf läßt sich herrlich herumkauen, oft eine Beschäftigung für viele Stunden. Hin und wieder wird der Rest vergraben, nach einigen Tagen wieder hervorgeholt und dann geht das Knabbern genüßlich weiter.

Doch warum vergraben Hunde ihre Knochen? Um das besser zu verstehen, muss man sich in die Lage wild lebender Wölfe versetzen. Der Luxus einer regelmäßigen Futterration, wie sie für den Haushund selbstverständlich ist, würde ihnen als purer Luxus erscheinen. Das Jagdglück versorgt sie in der Natur weit unregelmäßiger. Handelt es sich um kleine Beute, etwa eine Maus oder ein Kaninchen, so ist Mahlzeit schnell verschlungen.

Beute mittlerer Größe, ein kleines Reh zum Beispiel, wird von mehreren Mitgliedern eines Wolfsrudels bereits binnen 24 Stunden verspeist. Die Wölfe verfügen über die Fähigkeit, relativ große Mengen auf einmal fressen zu können. Quasi auf Vorrat – wer weiß, wann es wieder etwas gibt? Dem Haushund ist das, wenn auch in geringerem Maße, erhalten geblieben. Viele Hunde überschätzen ihren Bedarf und fressen, wenn sich die Gelegenheit bietet, viel mehr, als sie eigentlich benötigen.

Erlegt nun ein Wolfsrudel größere Beute, zum Beispiel ein Schaf oder ausgewachsenes Rotwild, so ist das Nahrungsangebot für eine Weile so reichlich, dass man mit dem Fressen kaum nachkommt. Das Fleisch einfach liegenzulassen, birgt verschiedene Gefahren: Nahrungskonkurrenten könnten es aufspüren und rauben. Heißes Klima, Insekten und Maden könnten das Fleisch verderben lassen und ungenießbar machen. Um den Vorrat für später aufzuheben, wird er vergraben. Meist an Ort und Stelle.

Das Beutestück wird in der Schnauze gehalten und mit den Vorderpfoten ein Loch passender Größe gegraben. Anschließend wird der Fleischbrocken ins Loch fallen gelassen, das danach sorgfältig mit Erde aufgefüllt wird.

So wird eine Deponie für schlechtere Tage angelegt, zu der man später zurückkehren kann. Die „eiserne Reserve“ wird dann mit den Vorderpfoten freigescharrt, in die Schnauze genommen und einige Male kräftig geschüttelt, damit sich die Erde ablöst. Dann kann dieser Rest gefressen werden.

Das Vergraben von Nahrung erfolgt also bei einem zeitweisen Überschuß. Ein regelmäßig gefütterter Hund betrachtet einen Knochen als willkommene Ergänzung, ein Überangebot, das instinktiv für schlechtere Tage „sichergestellt“ wird. Heute übliches Hundefutter, meist in kleinen Bröckchen, als Dosenfutter oder als Brei, läßt sich kaum zwischen den Zähnen festhalten und eignet sich nicht zum Vergraben. Sonst würde auch das geschehen, sofern etwas übrig geblieben ist. Manchmal läßt sich beobachten, dass Hunde ihren nicht völlig geleerten Futternapf in der Ecke eines Raumes zu „vergraben“ versuchen. Das „Verscharren“ wird aber nur als rudimentäre Ersatzhandlung ausgeführt, die dazu führt, dass der Napf in die Ecke geschoben wird, um ihn zu „verstecken“ und so dem möglichen Zugriff hungriger Räuber zu entziehen.

Es mag außerdem sein, dass ein Knochen, der eine Weile im Erdreich vergraben war, dadurch für den Hund ein noch interessanteres Aroma gewinnt und als besonders lecker empfunden wird, ähnlich wie Menschen manche Käsesorten erst nach einem gewissen Reifungsprozess als schmackhaft erachten.