Es ist schon erstaunlich: Noch hat niemand etwas wahrgenommen, da steht ein Hund, der bis dahin ruhig in einer Ecke lag, plötzlich auf, lauscht und läuft wedelnd zur Haustür. Offenbar freut er sich bereits auf einen Ankömmling, den er begrüßen möchte. Bald darauf kommt tatsächlich sein Herrchen oder Frauchen ins Haus. Doch wie hat der Hund das so früh erkennen können?

 

Mit Hellseherei hat das nichts zu tun. Offenbar ist das Hundeohr in der Lage, selbst leise Töne aus einer Vielzahl von Geräuschen herauszuhören und zuzuordnen. Nicht nur Geräusche, sondern auch typische Rhythmen kann ein Hund klar zuordnen. So erkennt er beispielsweise nicht nur den menschlichen Gang, er ist sogar in der Lage, aus der Schrittfolge zu schließen, wer da gerade kommt.

 

Das gute Gehör verdankt der Haushund seiner Abstammung vom wild lebenden Wolf, für den es auf der Jagd eine wichtige Orientierungshilfe ist. Schon ein leises Rascheln kann eine Maus oder eine Ratte verraten. Auch für die Kommunikation untereinander ist es erforderlich. Ein Wolf kann heulende Artgenossen noch kilometerweit hören und dabei zum Teil sogar voneinander unterscheiden.

 

Hunde mit stehenden Ohren können diese buchstäblich spitzen und einzeln auf eine Geräuschquelle ausrichten. Dadurch wird das räumliche Hörvermögen wesentlich verbessert. Hinzu kommt, dass das Hundeohr einen weit größeren Frequenzbereich erfassen kann, als es dem Menschen je möglich wäre. Tiefe Töne hören Hunde ähnlich gut wie wir, bei hohen Tönen sind sie uns aber weit überlegen.

 

Das menschliche Ohr kann in der Jugend noch Töne bis zu 30.000 Schwingungen (Techniker messen diese in der Maßeinheit Hertz) in der Sekunde hören. Bis zum Erwachsenenalter sinkt die Hörfähigkeit jedoch bis auf etwa 20.000. Daher können Jugendliche manche hochfrequenten Pieptöne noch hören, die Erwachsene schon nicht mehr wahrnehmen, zum Beispiel den konstanten hohen Pfeifton, den ältere Fernseher mit Bildröhre abgeben. Bei Senioren nimmt der wahrgenommene Frequenzbereich schließlich bis auf etwa 12.000 Hertz ab. Manche Gemeinden nutzen diesen Umstand zur Abschreckung, indem sie an öffentlichen Plätzen, wo Jugendliche häufig zusammentreffen, um zu randalieren, gezielt unangenehm hochfrequente Töne über Lautsprecher ausstrahlen, die nur bis zu einem gewissen Alter gehört werden können.

 

Zum Vergleich: Das Hundeohr hört Töne bis zu 60.000 Hertz; einige Forscher wollen bei bestimmten Arten sogar eine Hörfähigkeit von bis zu 100.000 Hertz festgestellt haben. Dieser Ultraschallbereich wird dem menschlichen Ohr für immer verschlossen bleiben. So erklärt sich auch das Phänomen, dass manche Hundehalter ihren Hund erfolgreich mit einer Pfeife rufen können, die vermeintlich keinen Ton erzeugt. Es handelt sich dabei um sehr hohe Töne; der Hund hört sie durchaus.

 

Die Ausdehnung des Hörbereiches in den Bereich des Ultraschalls ermöglicht dem Hund eine weitaus bessere Auflösung eines Gesamtklangbildes und befähigt ihn zu mancher Wahrnehmung, die uns verborgen bleibt. Sei es das hochfrequente Fiepsen von Nagetieren oder die Ultraschallgeräusche, die Fledermäuse zur Orientierung aussenden; der Hund bekommt davon eine Menge mit.

 

Dabei beschränkt sich die Fähigkeit, Geräusche zu erkennen und zuzuordnen bei weitem nicht nur auf die in der Natur vorkommenden Klänge. Der Hund ist lernfähig und kann  bald am Fahr- und Motorengeräusch das Auto seines Herrn von vielen anderen recht sicher unterscheiden.

 

Obwohl die Hörfähigkeit bei allen Hunden sehr gut ausgeprägt ist, reagieren sie auf laute Geräusche ganz verschieden. Manche erschrecken schon bei leisen Geräuschen, anderen macht es überhaupt nichts aus, selbst am Silvesternachmittag bei gelegentlich krachenden Böllern einen Spaziergang zu unternehmen.