„Komm!“, „Sitz!“, „Platz!“, „Bleib!“, „Bei Fuß!“… Grundbegriffe des täglichen Gehorsams, die fast jeder Hund in seiner Jugend lernt. Die meisten machen es einem leicht und gewöhnen sich schnell an die wichtigsten Verhaltensregeln. Zunächst daran, ihr Geschäft außerhalb des Hauses zu verrichten, denn die Zeit, bis ein junger Hund stubenrein ist, möchte jeder Hundehalter möglichst bald hinter sich haben.

 

Dass Hunde grundsätzlich bemüht sind, ihrem Menschen zu folgen, ihm teilweise seine Wünsche sogar quasi von den Lippen abzulesen, macht es in den meisten Fällen leicht, ihnen etwas beizubringen. Der Mensch hat es deshalb verhältnismäßig einfach, weil ein   Hund in seiner Obhut normalerweise ein infantiles Stadium beibehält. Die Bezugsperson tritt an die Stelle von Adoptiveltern, denen das Hundekind sein Leben lang gefallen möchte. Mit kleinen Belohnungen kann man den Lernerfolg oft noch wesentlich steigern. Erwünschtes Verhalten, das honoriert wird, prägt sich besser ein.

 

Dennoch gibt es Hunde, die bestimmte Verhaltensmaßregeln grob ignorieren, ungeniert in die Wohnung machen, auf Zuruf nicht reagieren, selbst an der Leine kraftvoll in die Gegenrichtung ziehen. Oder sich bei passender Gelegenheit in der Küche oder am Esstisch selbst bedienen. Man könnte meinen, ihnen sei nicht klar, was von ihnen erwartet wird. Doch sie sind sich dessen in der Regel durchaus bewußt, setzen sich aber dennoch darüber hinweg. Um das zu verstehen, hilft ein Blick auf die Abstammung vom Wolf: Im Wolfsrudel ist es ganz natürlich, dass Tiere, die erwachsen werden, um ihren Platz in der Rangfolge der Gemeinschaft kämpfen. Insbesondere Rüden versuchen instinktiv zum dominanten Leitwolf aufzusteigen. Das geht nicht ohne gegenseitige Provokation und Reaktion, bis sich die Rangordnung untereinander klar herausgebildet hat.

 

Dieses Stadium aus Provokation und Reaktion durchläuft auch der Hund im Menschenrudel. Hier müssen ihm von vornherein klare Grenzen aufgezeigt werden. Unerwünschtes muss klar und unmissverständlich zurückgewiesen werden. Sonst kann es passieren, dass ein Hund sich durch zu große Nachgiebigkeit mit der Zeit als unwidersprochenes dominantes Leittier empfindet. Und aus dieser Position heraus, macht er natürlich, was er will. Die Verhältnisse kehren sich so weit um, dass der Hund gewissermaßen Herr des Menschen wird, der dann mit seinem Vierbeiner kaum noch zurecht kommt.

 

Gerade junge Hunde dürfen deshalb nicht in dem Glauben gelassen werden, man lasse ihnen fast alles durchgehen. Konsequenz ist angesagt. Verbote müssen durchgesetzt werden, sonst kann sich beim Tier der Eindruck festsetzen, mit Dickfälligkeit lasse sich jedes Kommando übergehen, aussitzen oder ignorieren. Derart geprägte Rüden urinieren oft demonstrativ im Haus, um das Territorium zu markieren, in dem sie sich als der Stärkste ihres Rudels fühlen. Auch beim Gassigehen geht ein dominanter Hund davon aus, ihm obliege die Festsetzung der Route und der Geschwindigkeit. Er glaubt aus dieser Position heraus eventuell auch, er müsse rangniedere menschliche Rudelmitglieder vor anderen Menschen beschützen, denen er aggressiv gegenübertritt.

 

Hat man einen solchen Problemhund, so bleibt nichts anderes übrig, als die Rangordnung mit Konsequenz wieder zurechtzurücken. An der dominierenden Rolle des Menschen darf es nie einen Zweifel geben.